Auswanderung im 19. Jh.

Neustadt und seine Auswanderer

„Zwischen 1830 und 1913 verließen mehr als 6 Millionen Menschen Deutschland, davon mehr als die Hälfte zwischen 1861 und 1913.
Mit der Aufhebung von Erbuntertänigkeit und Schollenbindung (Bindung an Grund und Boden) für die Bauern in der Bauernbefreiung, verstärkt durch das sprunghafte Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert, durch die fortschreitende Industrialisierung und Erwerbsschwierigkeiten im ländlichen Bereich, setzte in den 1820er Jahren eine große Landflucht ein. Die Binnenwanderung in Deutschland fand vom Osten nach Westen, vom Land in die Stadt, von der nächsten Stadt in die industriellen Ballungszentren statt.

Gleichzeitig mit der Verstädterung Deutschlands verschärften sich die sozialen Probleme, die es bereits vor der Industrialisierung gegeben hatte. Davon war insbesondere auch das Gewerbe betroffen, wo viele Handwerker am Rande des Existenzminimums lebten. Zudem verfügten die rasant anwachsenden Städte weder über ausreichende sanitäre Einrichtungen noch über Wasserversorgung oder Wohnungen. Große Bevölkerungsteile lebten in Armut, in Mietskasernen unwürdig eingepfercht und ohne Aussicht auf Besserung ihrer persönlichen Situation.
Wirtschaftliche Not war wohl die wichtigste, aber nicht die einzige Ursache der Auswanderung nach Übersee, vornehmlich in das »gelobte Land« Amerika. Die sprunghaft wachsenden Zahlen der Auswanderer in die USA nach den fehlgeschlagenen Revolutionen zeigen auch die Hoffnung auf ein freieres, demokratisches Leben jenseits des Ozeans.“ 1)
Auch die Neustädter Region war an dieser Auswanderung beteiligt
Ein Beispiel: Der Ackerbürger der Windmühlenstr.3, Heinrich Nülle,geb. 1859, hatte mit seiner Frau Caroline Sophie sechs Kinder; vier davon wanderten in die USA aus. Und sie waren nicht die ersten! Schon von seinen sechs Geschwistern hatten vier ihre Heimat verlassen und eine neue in den USA gefunden.
Alle siedelten sich in der Nähe Chicagos an und verteilten sich im Laufe der folgenden Generationen über die Staaten. Seither hat die Familie einen deutschen und einen amerikanischen „Zweig“. 2)

Die Familie Nülle ist kein Einzelfall!
Es gibt unzählige Heimatchroniken, die Auswanderung spielt in ihnen eher keine Rolle. Für Mardorf vermerkt die Ortschronik, dass „in mehreren Wellen … auch Mardorfer Familien in der Zeit nach 1848 bis um die Jahrhundertwende“ ausgewandert sind; die Dorfchronik Eilveses verzeichnet 313 Auswanderer. Aus den Kirchenbüchern der Liebfrauengemeinde hat Dieter Barby eine Liste von 95 Emigranten zusammengestellt. Welches Ausmaß die Auswanderung aus dem Neustädter Land insgesamt hatte und was aus den Emigranten in der neuen Heimat geworden ist, wissen wir bisher kaum.
Die Familie Scheve wurde 1990 überrascht, als ihr „amerikanischer Zweig“, der nach seinen Wurzeln suchte, bei ihr „einfiel“. Entstanden ist daraus nicht nur eine vertiefte neue Familienbeziehung, sondern auch eine beeindruckende „Familiengeschichte“:
Aus Erzählungen von Familienmitgliedern und Freunden wird deutlich, dass die Geschichten der Familien Nülle und Scheve keine Einzelfälle sind: Da tauchen die Namen Grasenick, Meldau, Hogrefe, Helfers auf – die meisten Namen fehlen!

1) http://www.dhm.de/ausstellungen/bildzeug/22.html

2) Foto im Heimatmuseum von Wilmette, Ill.: Deutsche Einwandererfamilie 1871/72, die nach dem Großen Brand von Chicago obdachlos gewordene Mitglieder wieder auf dem Lande aufgenommen hat.

Einen Überblick liefert www.lwg.uni-hannover.de/wiki/Amerikaauswanderung_im_19.Jahrhundert

Helfen Sie uns! Nennen Sie uns Namen von Personen, die ausgewandert sind. Schreiben Sie mit uns die Geschichte der Auswanderung aus dem Neustädter Land!

Die Auswanderung aus Neustadt am Rübenberge

Ein Bericht von Dieter Barby

Namensliste von Auswanderern aus den Kirchenbüchern der Liebfrauengemeinde

zusammengestellt von Dieter Barby, Stand Mai 2010

445 Rodewalder zog es in die Neue Welt

Zur Geschichte Rodewalds gibt es zwei Veröffentlichungen: „Die terra Rodewald“ und „Rodewald – Wandel eines Dorfes“. Viele Rodewalder wanderten aus und siedelten in der gleichen Gegend. Auswanderung wird oft genealogisch erforscht – uns interessiert die Auswanderung und ihre Bedeutung für den Wandel für das Gemeinwesen. Das zeigt auch dieser Artikel aus dem „Heimatboten“.

Facharbeiten Migration und Sozialer Wandel

von Schülerinnen und Schülern der KGS Neustadt 2011 bis 2013